In der Villa Flor nächtigt man inmitten von zeitgenössischer Kunst

Das Kunsthotel – Villa Flor in S-chanf im Engadin

Arvenholz und Tradition

Der Schriftzug des Künstlers Fiete Stolte schwebt wie ein Haussegen über der auf dem Dach gelegenen Terrasse, wo man einen wunderbaren Blick an die Berghänge und auf den Inn geniesst. Er ist gleichzeitig auch Sinnbild für das kleine Hotel an der Hauptstrasse in S-chanf: «Unreal 8 Days a week» nennt Stolte sein Werk, das in der Nacht mit Neonlicht leuchtet. Es ist, als würde man in der Villa Flor in eine andere Zeitrechnung treten. Hier wird sie willentlich gedehnt, um dem Alltagstrott ein Schnippchen zu schlagen.

Unkonventioneller (Innen)-Architektur und kunstvoller Einrichtung

Bloss von einem Hotel zu sprechen, wäre hier deshalb etwas vermessen. Auch wenn es in dem Haus natürlich Gästezimmer gibt. Sieben an der Zahl, die alle ganz individuell mit Vintage-Möbeln ausgestattet sind und das kosmopolitische Flair der Besitzerin widerspiegeln. Alpen-Chic sucht man hier vergebens. In dem stattlichen Haus von 1904 haben die Einheimische Ladina Florineth und der Architekt Christian Klainguti den Mix aus Jugendstil-Elementen und neoklassizistischen Formen mit modernen Elementen ergänzt. Wie etwa bei den Bädern, die geschickt in die Zimmer integriert wurden und wo nötig mit Paravents unerwünschte Blicke abschirmen. Alte Arvenholz-Verkleidungen wurden aufgefrischt, die Böden abgeschliffen und die Jugendstil-Ornamente an den Decken vom Mailänder Künstler Marco Belfiore detailgetreu restauriert.

Doch da ist vor allem Ladina Florineths Leidenschaft für Kunst, die der Villa Flor dieses besondere Ambiente geben. Anfangs hängte sie Werke aus ihrem eigenen Besitz aus. Irgendwann begann sie Ausstellungen im Haus zu organisieren und Künstler zu beherbergen. Und weil sie deren Werke mochte, traf sie mit ihnen die Abmachung, dass jeweils ein Werk aus der Ausstellung im Haus verbleibt.

Die Kunstwerke bleiben im Haus

So wandelt man als Gast vorbei an Skizzen von Philipp Keel, entdeckt im Gang ein Bild von Beat Zoderer, zieht sich in eine der Lesenischen mit Fotografien von Florio Puenter zurück oder frühstückt unter Helgen von Julian Schnabel. Als Begegnungsraum für Künstler und Kunstinteressierte versteht Ladina Florineth ihr Haus. Und so kann es gut sein, dass man sich abends im Salon auch mal mit Julian Schnabel, Richard Long oder Stefan Balkenhol auf einen Drink wiederfindet.

Doch auch für weniger kunstaffine Gäste ist die Villa Flor ein idealer Ausgangspunkt. Das kleine Hotel liegt nämlich am Tor zum Schweizer Nationalpark. Und auch sonst kennt Ladina Florineth so manches versteckte Plätzchen an einem schönen Bergsee oder mit einer besonderen Aussicht. Manchmal führt sie ihre Gäste auch persönlich an ihre Lieblingsorte. Denn die Engadinerin lebt ihre Rolle als Gastgeberin mit so viel Leidenschaft, dass man bestimmt ein nächstes Mal vorbeikommen will.

Bilder: Manolo Yllera

erschienen am 01.02.2017 von Silvia Schaub

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Adresse

Villa Flor Somvih 19 7525 S-chanf, DZ ab 220 Franken

Öffnungszeiten

Mitte Juni-Ende Oktober und Anfang Dezember-Mitte April, Details finden Sie unter www.villaflor.ch

Perfekt für Kunstfreunde, Naturfreunde und solche, die einfach mal ausspannen wollen

Aufgefallen Die wunderbare Dachterrasse mit Blick über die Inn-Landschaft

Unser Tipp Sich einen Moment Zeit nehmen, um in der Bücherlounge in den Kunstbüchern zu blättern oder sich einen spannenden Roman reinzuziehen