Manchmal braucht es etwas Geduld. Aber das Warten auf die Nordlichter in Tromsø lohnt sich.

Grüne Lichtertänze am Himmel

Eisiger Wind, Dunkelheit und Kuhnagel an den Füssen – der erste Eindruck an diesem Wintermorgen in Tromsø könnte freundlicher sein. Dabei sind wir mit einem klaren Vorsatz nach Nordnorwegen angereist: Wir wollen die Nordlichter sehen! Doch schon bei der Ankunft am Flughafen zweifeln wir etwas an unserem Vorhaben. Bekommen wir doch eben mit, wie sich eine Touristin beklagt, dass sie nun eine ganze Woche hier gewesen sei und dieses Naturspektakel kein einziges Mal zu Gesicht bekommen habe.

Gunn Sissel, die uns für die nächsten Tage beherbergt, beruhigt uns. „Ihr braucht nur etwas Geduld“, stimmt uns die Pressefrau vom Norsk Polar Institutt zuversichtlich. Schliesslich ist Tromsø berühmt für seine Polarlichtspiele, die nirgendwo sonst in Europa so gut zu beobachten sein sollen wie hier. Hier in diesem so genannten Nordlichtoval soll die Aurora borealis Nacht für Nacht erscheinen. So heissen die Nordlichter in den nördlichen Polarregionen. Also rennen wir zwischen 15 und 9 Uhr morgens wohl jede gefühlte Viertelstunde auf die Terrasse, auch bei Eiseskälte – und schauen uns Löcher in den Himmel. War das dort nicht ein heller Schein? Und sieht es am Himmel nun nicht grüner aus als die Schäfchenwolken? „Nein, nein, das war noch kein Nordlicht“, enttäuscht uns Gunn Sissel.

Dem Himmel ein Stück näher

Am nächsten Abend fahren wir auf die Nachbarinsel Kvaløya in die absolute Dunkelheit, wo kein künstliches Licht den Blick auf den Himmel irritiert. Wir stapfen durch den knirschenden Schnee, der glücklicherweise nicht so hoch liegt. Noch andere Touristen suchen hier ihr Glück – und werden ebenso enttäuscht wie wir. Also fahren wir am nächsten Abend mit der Fjellheisen-Gondel auf den Tromsøer Hausberg, den Storsteinen. Dem Himmel ein Stück näher hoffen wir darauf, endlich die Lichter zu sehen. Wieder nichts, auch wenn uns immer mal wieder freudig der Atem stockt, weil wir doch gerade das Gefühl hatten, dort oben bewege sich etwas.

Vielleicht haben wir mehr Glück mit einer anderen Strategie? Jedenfalls nehmen wir uns vor, die grünen Lichtertänze am Himmel einfach zu ignorieren. Schliesslich bietet Tromsø auch noch anderes – gerade auch im Winter. Natürlich besuchen wir die Ishavskatedralen, diese Kirche in Form eines Eisbergs und das Wahrzeichen der Stadt. Und wir flanieren durch die Einkaufsmeile rund um die Storgata mit den hübschen farbigen Holzhäusern, die Tromsø den Ruf des „Paris des Nordens“ eingebracht hat. Dies vor allem weil die Tromsøer Seeleute vor über 150 Jahren Stoffe und die Mode aus Europa in die Stadt brachten. Mondäne Kleiderboutiquen gibt es zwar nicht unbedingt, dafür eine ziemlich hohe Dichte an Restaurants und Kneipen. Ein lokales Mack-Bier von einer der nördlichsten Brauereien der Welt und ein Stück Rentierfleisch im Vertshuset Skarven direkt am Wasser dürfen da nicht fehlen. Als wir gestärkt das Lokal verlassen, blinzelt uns doch tatsächlich die Sonne entgegen. Ganz flach tritt sie über den Horizont und hüllt alles in dieses unvergleichlich spezielle Licht, das uns bei früheren Besuchen im Sommer jeweils schon beeindruckt hat.

Auf der Spur der Sonnenwinde

Wenn uns schon die Nächte keine Nordlichter bescheren wollen, so versuchen wir es eben im Planetariet auf dem Gelände der Universität, dem grössten Planetarium Norwegens. Und hier sehen wir sie endlich in Grossformat: die Nordlichter. Dazu erfahren wir auch, wie sie entstehen. Die Lichter werden von Sonnenwinden ausgelöst, die rund 100 Kilometer von der Erde entfernt wirken. Die Sonne sendet elektrisch geladene Teilchen aus, die wegen des Magnetfeldes der Erde nur in den Zonen um die Pole in die Atmosphäre eindringen können. Treffen sie auf die Erdatmosphäre, beginnen Moleküle wie Sauerstoff oder Stickstoff zu leuchten. Je nachdem, um welche Art von Gas es sich handelt, können dabei unterschiedliche Farben entstehen.

Und dann endlich…

Noch ganz beeindruckt von diesem Naturwunder setzen wir an unserem letzten Abend nochmals alles Glück auf die Nordlicht-Suche. Und dann, als hätten die Götter doch noch ein Einsehen, schwingt sich  nach geduldigem Warten ein erster Streifen über den Horizont, steigt steil auf, pulsiert, driftet weg, erscheint wieder und verschwindet im Nichts. Gebannt bleibt unser Blick am Himmel hängen. Und dann ist es wieder da, flattert weiter und ist schon wieder weg: das Nordlicht!

Bilder: Gaute Bruvik, Yngve Olsen, www.nordnorge.com
Dieser Beitrag erschien erstmals in der Schweiz am Sonntag.

erschienen am 01.02.2017 von Silvia Schaub

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Anreise

Direktflüge mit Edelweiss Air oder Helvetic Airways jeden Samstag von 7.1. bis 12. März 2017 in 3,5 Stunden oder täglich mit SAS via Oslo in 5 Stunden 15 Minuten:

Allgemeine Infos

Sehenswürdigkeiten

  • Ishavskatedralen; Polaria, arktisches Erlebniszentrum,  www.polaria.no
  • Polarmuseum mit Ausstellungen über norwegische Polarexpeditionen
  • Planetariet,  www.nordnorsk.vitensenter.no
  • Schlittenhundefahren, z.B. bei Villmarkssenter auf Kvaløya, www.villmarkssenter.no
  • Nordlichtexpeditionen unter www.booking.visittromso.no

 

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