Der Sportberg Corvatsch

Wo die Eiskristalle am schönsten funkeln

Corvatsch, Engadin

Sie beginnen ihr Leben ziemlich uniform und unscheinbar: als mikroskopische Wassertröpfchen in den Wolken. Wenn sie dann bei rund minus zehn Grad in der Atmosphäre zu Schneeflocken gefrieren und auf die Erde fallen, gleicht keines mehr dem andern. Zwar ordnen sich die Wassermoleküle in einem regelmässigen Kristallgitter in einer sechszähligen Symmetrie an, vergleichbar mit Bienenwaben. Doch welche Form eine Schneeflocke am Ende erhält, hängt ganz von der Temperatur in der Luft und von deren Feuchtigkeitsgehalt ab. Am schönsten sollen sie bei Temperaturen um minus 15 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit entstehen. Unter diesen Bedingungen wachsen die Kristalle besonders schnell und in grosser Vielfalt.

Erst das richtige Licht bringt die Kristalle zum Strahlen

Eiskristall, EngadinDamit diese Wunderwerke der Natur auch besonders schön funkeln, müssen noch ein paar weitere Faktoren mitspielen. Etwa die Unterlage, die kompakt und möglichst von Permafrost unterlagert sein sollte. «Schnee erachten wir dann als besonders schön, wenn er ausserdem noch nie eine Schmelztemperatur von über null Grad hatte», weiss Felix Keller, Glaziologe, Lehrbeauftragter der ETH Zürich und Leiter des Europäischen Tourismus Instituts ETI Schweiz in Samedan. Ansonsten fange er an zu altern und verliere an Strahlkraft.

«Doch das schönste Eiskristall nützt nichts, wenn das Licht nicht stimmt», ergänzt Felix Keller. Und dieses muss möglichst frei von Störfaktoren wie Wasserdampf und Staub sein. So kann das Licht die Wellenlängen am besten brechen. Deshalb sagt man, dass im Oberengadin die Eiskristalle besonders schön funkeln.

Diese Voraussetzungen sind am Corvatsch bei der Zwischenstation Murtel am häufigsten und am perfektesten gegeben. «Am besten im April zwischen 9 und 10 Uhr, wenn Neuschnee liegt und das Licht absolut rein ist», empfiehlt Glaziologe Keller. Manche sagen sogar, dass genau dieser Schnee auch zum Skifahren am besten sei.

Dieser Text stammt aus dem Buch «111 Orte im Engadin, die man gesehen haben muss».

Bild: Felix Keller und Niklas Eschenmoser

erschienen am 01.02.2017 von Silvia Schaub

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Informationen

Bergbahn Corvatsch, Via dal Corvatsch, 7513 Silvaplana, www.corvatsch.ch

 

Perfekt für Naturfreunde und Sportbegeisterte

Aufgefallen Die Luft ist auf dieser Höhe tatsächlich etwas dünner, deshalb kommt man schnell einmal ausser Atem. Dafür geniesst man von der Bergstation Corvatsch bei klarem Wetter den Blick über die Alpen bis zum Matterhorn!

Unser Tipp Im Winter wird jeweils am Freitagabend ab 19 Uhr die frisch präparierte, 4,2 km lange Piste beleuchtet. Ein unvergessliches Fahr-Erlebnis!