Die karibische Insel bietet Kultur, Natur und Lebensfreude

Kuba auf eigene Faust

Kuba auf eigene Faust

Karibisches Lebensgefühl und nostalgischer Glanz, verfallene Prachtbauten und moderne Architektur, schneeweisse Strände und grüner Regenwald – Kuba ist eine Insel der Kontraste. Am besten erkundet man sie auf eigene Faust und übernachtet in Casas particulars bei Einheimischen.

Damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet! Nachdem bei unserer Ankunft am Flughafen in Havanna die Zollformalitäten erledigt waren und wir die Koffer in Empfang genommen haben, fühlen wir uns wie VIPs. Denn das Taxi ist ein offener Cadillac Jahrgang 1952! Der Chauffeur kurvt im Kuba-Style zwischen Fussgängern und Fahrradfahrern durch die Strassen und bringt uns zur Casa particular von Lilia und Juan. Obwohl uns ein schrecklicher Abgasgestank fast die Luft abschneidet, sind wir begeistert von dieser faszinierenden Stadt im Kolonialstil, die irgendwie in den 1950er Jahren stehen geblieben ist. Menschentypen aller Art, geprägt von indianischen, spanischen, englischen und afrikanischen Vorfahren sind unterwegs.

Havanna ist eine 500-jährige Stadt mit eindrucksvollen Bauten aus vorrevolutionärer Zeit, eine Stadt mit einem Flair vergangener Tage – sehr bunt, lebendig, mit Musikern und Artisten an jeder Ecke. Die Leute sind nicht aufdringlich, sie versprühen eine unbeschwerte Lebensfreude – und irgendwie fühlt man sich sicher. Am besten startet man einen Stadtrundgang mit einem Besuch in Ernest Hemingways Bar “La Bodeguita del Medio” und einem Mojito, seinem Lieblingscocktail. Unzählige Unterschriften bedecken die Wände bis zur Decke.

Eine Stadt in der Stadt

Anders, aber ebenso speziell ist Alt-Havanna. Die Häuser sind buntbemalt, aber häufig baufällig. Die Fassaden bröckeln und sind vom Salz des Meeres zerfressen. Abgesehen von den Schülern in ihren makellosen Schuluniformen, machen die Leute einen ärmlichen, aber keinesfalls hungrigen Eindruck. Erstaunlich sind aber die hohen Preise auf dem Lebensmittelmarkt, dies bei einer eher fragwürdigen Hygiene – vor allem was das Fleisch betrifft.

Eine Stadt in der Stadt ist der 56 Hektaren grosse Cementorio Colon aus dem 18. Jahrhundert, zwischen Strassen und Alleen, Palmen und anderen tropischen Pflanzen, liegen beeindruckend schöne Grabmäler mit Säulen und Mausoleen.

Doch wir wollen nicht nur Stadtluft geniessen und fahren mit dem Bus nach Vinales, einem hübschen kleinen Dorf auf dem Lande, welches unter Denkmalschutz steht. Unsere Fahrt dahin führt über die Tabakroute durch eine wunderschöne Landschaft mit üppiger Vegetation. Vinale besteht aus einfachen kleinen Holz-und Steinhäusern. Jedes ist bunt bemalt und in einer anderen Farbe. Unser Bus jongliert auf der Strasse zwischen Ochsen und Pferden. Wir logieren bei Leyani und Ozvedy. Leyani ist eine hellhäutige Kubanerin und hat zwei Söhne. Die Familie lebt ausschliesslich von den Einkünften durch die Vermietung von zwei Zimmern. Ihr Einkommen beträgt 25 CUC pro Nacht für ein Zimmer mit Frühstück und Abendessen (rund 24 Franken). Damit kommen sie nicht weit, trotzdem haben sie eine bewundernswerte positive Grundeinstellung. Reine Lebenskünstler eben.

Häuser ohne Fensterscheiben

Etwas gewöhnungsbedürftig für uns ist, dass in ganz Kuba die Häuser – sowohl in der Stadt wie auf dem Land – keine Fensterscheiben besitzen, dafür Schmiedeisengitter. Keinen stört es, dass dadurch sein Privatleben öffentlich ist. Doch die sehr geräuschvollen Klimaanlagen oder Ventilatoren sorgen nicht nur dafür, dass das Leben bei den relativ hohen Temperaturen erträglich ist, sondern dass auch keine privaten Geräusche gehört werden.

Wir besuchen die Felder von Tabakbauer Manolo und besichtigen sein Trockenhaus. Er rollt für uns von Hand Zigarren, das Stück für einen CUC. Das Land ist im Besitz des Staates, somit gehen 90 % der Tabakernte an den Staat, “20%” davon behält der Bauer. Das Improvisationstalent der Kubaner ist bemerkenswert!

Weiter geht’s nach Trinidad, einer 500 Jahre alte Kolonialstadt. Die Lage der Stadt an der Flanke eines Hügels ist grandios, mit der tropisch grünen Sierra Escambay und im Süden mit dem Meer im Hintergrund. Nicht ohne Grund wird diese Stadt als die Perle der Karibik bezeichnet. Sie verzaubert mit ihrer pittoresken Altstadt, mit Kopfsteinpflastergässchen und historischen Gebäuden, mit Häuschen, die wie kleine Schmuckstücke sind. Abends erklingen aus allen Ecken hinter den Mauern und auf den Plätzen kubanische Rhythmen.

Zigarrenverkauf im Schlafzimmer

Ein Kubaner möchte uns Zigarren verkaufen und führt uns in angeregtem Gespräch bis ins Schlafzimmer seines Onkels, welcher uns Zigarren aller Art auf seinem Ehebett ausgebreitet zum Verkauf anbietet. Die Einwohner sprechen ohne Scheu, eher zynisch, über ihre Lebensqualität und die Regierung: “Die Regierung ist allgegenwärtig und korrupt”. Was die Amerikaner betrifft sind sie eher skeptisch: “Wir wollen und brauchen sie nicht!”

Am nächsten Morgen starten wir auf der Ladefläche eines alten russischen LKWs zu einer abenteuerlichen Reise auf schwierigen, steilen Pisten in die Sierra Escambay, einem grünen Waldgebirge mit spitzen Gipfeln bis auf den Topes Collantes. Diese Fahrt ist eine lang andauernde Gratismassage mit einigen Schrecksekunden. Wir wandern drei Stunden durch üppige Vegetation und tierreicher Natur. Wir sehen Kolibris, Baumratten – und natürlich den “Nationalvogel” Tocororo.

Artikel von Brigitte Schumann

erschienen am 01.08.2017 von Brigitte Schuhmann

Anreise Direktflug Zürich – Havanna mit Edelweiss.

Unterkunft: in Casas Particulars; in Zimmern bei Einheimischen.

Ausflüge abwechslungsreiche Touren verschiedenster Art, wie mit russischen Trucks, mit dem Boot auf einem unterirdischen Fluss, mit Stadtrundfahrt auf Fahrrädern sowie Taxis oder auch Wanderungen. Organisiert von der Schweiz aus mit lokaler Vertretung von Cuba Real Tours vor Ort. www.cubarealtours.eu

Beste Reisezeit November bis April

Perfekt für Naturliebhaber und Abenteurer

Aufgefallen Musik ist in Kuba allgegenwärtig und tanzende Kubaner auf offener Strasse, im Park oder am Strand ist ganz normal

Unser Tipp Eine Fahrt mit einem gemieteten Cadillac von Trinidad zur Karibik