111 Orte im Engadin, die man gesehen haben muss

Das Universum von Not Vital

Universum von Not Vital - Engadin

Das Verwirrspiel um Kunst und Realität beherrscht Not Vital perfekt. Ist der Kleinlaster mit den Tannenästen nun eines seiner verrückten Objekte? Sind die Steine in der Waldlichtung arrangiert oder eine Laune der Natur? Im «Parkin Not dal Mot» des international bekannten Künstlers ist man sich nie ganz sicher, ob er die Betrachter nicht an der Nase herumführen will.

Der weitläufige, wilde Park eingangs von Sent birgt eine ganze Fülle seiner Kunstobjekte. Wer über die schmalen Parkwege wandelt und aufmerksam umherschaut, entdeckt sie an den unmöglichsten Orten. Manchmal sind sie auf den ersten Blick gar nicht sichtbar, wie etwa das per Knopfdruck versenkbare Haus oberhalb des Swimmingpools. Andere wie die Eselsbrücke wiederum sind nur auf eigene Gefahr begehbar. Oder sie sind so unscheinbar, dass man sie gar nicht als Kunstobjekt wahrnimmt – wie die Stange, die den Fröschen aus dem Teich helfen soll. Überraschend sind sie alle: die Chromstahlbrücke oder die fliegende Bühne, das Glashaus oder der behaarte Turm.

Der Park wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Luzio Crastan angelegt, einem Auswanderer, der in der Toskana mit einer Zichorienfabrik zu Geld kam. Er wollte sich hier seinen Ferien- und Alterssitz einrichten. Und so bepflanzte er den Park mit einheimischen und fremden Bäumen und Sträuchern, legte Wege, Brücken und Terrassen an und baute den halbrunden Swimmingpool. Auf der oberen Terrasse sollte eine feudale Villa entstehen. Doch es kam der Zweite Weltkrieg, und Crastans Lust, sich hier niederzulassen, verging wieder. 1999 kaufte Not Vital das Gelände und verwirklicht sich nun mit Hilfe seines Bruders Duri und anderen Helfern seinen Traum, sein persönliches Paradies. Wenn man bei einem Besuch auf der Pergola- Terrasse einen Herrn in Begleitung sitzen sieht, ist es kein Kunstobjekt – sondern der Künstler persönlich.

Derzeit zeigt das Bündner Kunstmuseum in Chur in der Ausstellung „Not Vital – Univers Privat“ die erste Werkübersicht in einem Schweizer Museum und vereint Vitals Arbeiten von 1964 bis heute. Bis 19. November 2017, www.buendner-kunstmuseum.ch

Dieser Text stammt aus dem Buch «111 Orte im Engadin, die man gesehen haben muss»

erschienen am 09.10.2017 von Silvia Schaub

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Adresse

Parkin Not dal Mot, 7554 Scuol-Sent, www.notvital.com

Öffnungszeiten

Juni – Ende Aug. Fr 16 – 18 Uhr (Mitte Juli – Mitte Aug. zusätzlich Fr 13.30 – 15.30 Uhr), Sept. – Okt. Fr 15 – 17 Uhr; Eintritt nur mit Führung, Anmeldung am Vortag bei Gäste-Info Sent (Tel. 081/8618829)